Neues und auch Altes aus meinem Leben als Nives
Montag, 1. Juni 2015
Geboren wurde ich in Zagreb am 24.9.1997. Ich bin eines der vielen Kinder, die zur Adoption freigegeben wurden, weil meine Eltern nicht in der Lage waren mich aufzuziehen. Einer der vielen kleinen Dinge, die ich von meiner leiblichen Mutter auf meinen weiteren Weg mitbekommen habe war der Name "Nives", der später von meinen Eltern auf meinen heutigen Namen geändert wurde.

Als ich 14 Jahre alt war, wollte ich wissen, wer meine leibliche Mutter ist. Wie sie aussieht, ob sie viel lacht und so weiter. Natürlich wollte ich auch etwas über meinen Vater wissen. Auch hatte ich erfahren, dass ich einen Halbbruder habe, der heute 22 Jahre alt ist. Das hieß also: sich auf die Suche begeben. Es war ein wenig wie eine Schatzsuche.

Meine Eltern hatten sich bereit erklärt mir zu helfen, was nicht selbstverständlich war. Meine Mutter hatte ständig Angst, ich würde mehr Gefallen an meiner leiblichen Mutter finden, und nicht zurück kehren wollen. Ich bin ihr ewig dankbar, dass sie diesen Schritt für mich getan hat.

Mamy und ich fuhren also nach Zagreb um Romina (so heißt meine leibliche Mutter) zu treffen. Das alles hatte über das Ministerium für die Adoption funktioniert. Ich betrat einen Raum mit vielen Personen. Mehr als ich dachte. Ich hielt eine rote Rose in meinen Händen, sie war für Romina. Mamy und ich hatten sie am Tag davor gekauft. Eine kleine Frau (kleiner als ich), betrat den Raum. Ihre Haare waren Schulterlang, fluffig und blond. Ihre Augen waren nass und hellblau. Als ich diese Augen sah, erinnerten sie mich an meine blauen Augen, wenn sie verweint waren. In diesem Moment wusste ich, dass sie es war, die ich seid einem Jahr sehen wollte. Ich umarmte sie und wir setzten uns zu viert an einen Tisch. Mamy, ich, Romina und eine Freundin von uns, die übersetzte. Ich erfuhr, dass mein Bruder Tim-Sven hieß und mein Vater vor 5 Jahren gestorben war. Sie beschenkte mich mit vielen Kleinigkeiten. Sie gab mir ihre Adresse und meinte, wir sollten uns unbedingt im Juni sehen. Sie meinte den Juni vor 2 Jahren. Ich habe sie nie im Juni vor 2 Jahren gesehen.
Wir schrieben uns ein paar emails. Es dauerte immer ewig, bis sie antwortete. Tim Sven antwortete nie auf meine email. Sie hat mir das letzte mal im Dezember geschrieben, doch es ist mir egal, wann sie wieder schreibt. Ich warte nicht. Ihre Ausrede war, dass sie nicht frei war..., ich werde vielleicht nie erfahren, wie sie das gemeint hat. Vielleicht werde ich es erfahren und verstehen, warum sie mich lange warten lassen hat.

Warum ich das erzähle? Nun, ich merke, dass ich anders bin. Ein wenig anders als der Rest meiner Familie. Ich bin wie sie. Wie Romina. Ich wechsle so schnell meine Meinung. Ich lebe immer irgendwie in den Tag hinein, habe keine Ordnung, spiele sogar dieselben Musikinstrumente wie sie, bin optimistisch, habe dieselben verweinten Augen wie sie, bin klein, ich halte oft keine Termine ein, mache mir selbst meine Gründe dafür, vergesse schnell...vergesse was mir wichtig war, verdränge, verdränge was mir wichtig ist. Sie ist wie ich und sie lebt in Zagreb mit ihrem dritten Mann und verspricht in ihrer Email, dass sie an mich denkt und mich liebt. Aber sie liebt mich nicht genug, um bei jeder Gelegenheit eine Email für mich zu schreiben. Sie lügt und sie lügt gut. Sie ist wie ich. Ich bin wie sie. Ich weiß, dass meine Rebellion hier wegen ihr ist. Dass ich eine kleine Rebellin bin und dass sie auch so war und stolz auf mich wäre mich zu sehen.

Doch ich bin hier und meine Aufgabe ist es, mit allem was ich von ihr bekommen habe, das Beste zu machen. Genauso mit allem, was ich von meiner Familie bekommen habe. Die Geduld, das Mitgefühl, den Glauben und die Hoffnung. Mein Name war Nives. Ich werde immer ein wenig Nives bleiben. Ein wenig die Tochter meiner leiblichen Mutter. Doch meine echte Mutter, der ich verdanke, dass ich hier auf meinem Bett sitze und hoffen darf, wird sie nie ersetzten, weil sie mich immer geliebt hat und mich nie vergessen hat. Weil sie eine echte Mutter für mich war, an schlechten und an guten Tagen.

das wars
LG, eure Nives



Sonntag, 31. Mai 2015
Es war ein unbeschreibliches Gefühl so weit über der Stadt zu sein und zu fallen. Natürlich angeschnallt. In einem dieser Geräte des Rummelplatzes. Trotzdem habe ich geschrien und gebetet. Es war lustig aber gleichzeitig sehr sehr schlimm für mich.

Ich habe gebetet, weil ich Angst hatte. Ehrlich gebetet. Das mit Gott ist schwierig. Aber ich hab ihm gesagt, dass ich jetzt mal alles in seine Hand lege. Meine kleine Beziehung, meine Wünsche und meine Arbeit. Ich muss lernen ihm zu vertrauen. Das ist alles schwerer als man denkt. Denn wie vertraut man jemandem der "nicht da ist"? Oder noch schwieriger: wie vertraut man jemandem der da ist, aber alles anders macht als man es möchte oder sich vorgestellt hat?

Gott weiß was er tut. Nur weiß ich nicht was er tut. Er liebt mich so sehr und das ist so schwer zu begreifen. Aber wenn ich so halb weiß, dass er mich liebt, wieso vertraue ich ihm nicht?
Der Plan mit dem, dass ich jetzt mal alles in seine Hand lege und ihm vertraue, ist entstanden, weil es ohne ihn keinen Sinn ergeben würde. Es ergäbe keinen Sinn mich dauernd gegen meine Familie aufzulehnen wegen einem Typen. Es ergibt keinen Sinn, einen Typen zu lieben und alles für ihn zu tun, wenn er nicht bleibt. Es ergibt keinen Sinn einfach so zu leben und nie zu wissen wofür man kämpft. Ich kämpfe ständig. Für mich und für ihn, für ein Leben in dem ich frei bin, für eine normale Beziehung mit meiner Familie...Aber ich werde es nicht schaffen wenn ich nicht beginne zu lieben. Wenn ich nicht ab heute die leisen Stimmen höre, die mir sagen wollen was der richtige Weg ist. Dazu muss ich vertrauen. Meinen Eltern, ihm und Gott. Sie werden, weil sie mich lieben, auf den richtigen Weg bringen. Aber ich habe Angst. Dass ich verliere. Wenn ich einen von dreien verliere, dann muss doch ein Weg falsch gewesen sein oder?
Ich lebe oft mit der Einstellung, dass nichts für immer ist, weil ich zu viel geträumt habe und verloren habe. Träumen ist etwas riskantes aber schönes. Ich darf träumen und ich werde träumen, es ist sein Wille ob diese Träume in Erfüllung gehen. Aber wenn ich nicht langsam anfange zu vertrauen und meine Wünsche, Sorgen und Gedanken wirklich in Gottes Hände zu legen, dann werde ich verlieren. Egal was, aber ich werde verlieren, weil ich alleine sein werde.




Es schleicht sich manchmal langsam an einen heran. Manchmal so langsam, dass man denkt es wird nie ankommen. Doch ich habe es ankommen lassen. Das Glücksgefühl hat mich ergriffen und ich will es festhalten können.
Gestern konnte Lion nicht. Das hat der Liebe Gott gemanaged denke ich. Stattdessen habe ich Mr.Pro getroffen und ich verliebe mich jedes mal aufs Neue in ihn. Das klingt grad so wie in nem Film haha aber mein Leben läuft manchmal wirklich so ab. Da fühl ich mich manchmal im falschen Film und manchmal in einem verdammt richtigen. Trotzdem könnte der Regisseur meines Films wirklich etwas mehr Rücksicht auf seine erschöpfte Schauspielerin nehmen. Manchmal ist da einfach zu viel Action drin und mein Held kommt nicht um mich da rauszuholen. Naja wie sollte er auch? Naja und manchmal ist auch zu wenig Action drin. Ich bin ein sehr rastloser Mensch. Ich muss immer etwas unternehmen, mich bewegen, etwas erleben. Wenn ich etwas nicht aushalte, dann Langweile. Meine Mamy sagt immer "nur dumme Kinder langweilen sich". Ich denke da hat sie recht. Heute werde ich mit zwei Freundinnen, zwei Freunden und meinen beiden Schwestern zur Dult fahrn. Dult is so eine Art riesen Rummelplatz*-* Leider sind da oft so viele Menschen. Das ist ein wenig anstrengend. Aber so ein leerer Rummelplatz wäre wunderschön...das muss so romantisch sein. Ich hoffe mein Regisseur lässt sich noch paar schöne Dinge einfallen...



Samstag, 30. Mai 2015
Heute also treffe ich ihn. Lion. Meinen Ex Freund. Ich hasse diese Beifügung "Ex" sie klingt irgendwie abartig. Ich will niemanden Ex nennen, den ich irgendwann mal geliebt habe und nie in meinem Leben hassen konnte. Generell kann ich keine Personen hassen. Zuerst meinte er wir grillen mit seinen Freunden zusammen und plötzlich...ja plötzlich will er sich alleine mit mir irgendwo treffen. Na gut versprochen ist versprochen, ich werde ihn treffen. Nur wie kann ich mit ihm befreundet sein nach allem was war? Wie kann ich ihn als Freund sehen, wenn das mal mein Freund war? Mein alles? Der, der alles für mich getan hätte und dessen Größe und Geruch ich manchmal noch im Kopf habe. Wie geht das? Wie kann man mit jemandem befreundet sein, wenn alles einen an ihn erinnert. Sogar die verschiedenen Wetter, Wahrnehmungen, Gerüche? Ich bin darüber hinweg. Aber eben nicht ganz. Über ihn bin ich hinweg. Ich werde ihn nie wieder lieben können so wie damals. Es ist zuviel passiert. Zu viele Verletzungen, die ich mit mir herumtrage und immer wieder vergesse. Aber ich bin nicht ganz über die Dinge hinweg, die passiert sind. Über alle Erlebnisse. Ich kann das nicht. Und dann immer wieder Ablenkung. Ich werde da heute hingehen, weil ich es versprochen habe und ich hoffe, dass alles gut gehen wird. Dass er mich nicht mehr liebt. Dass ich in dem Moment nicht gut aussehe, damit er mich keinen Moment vermissen kann. Ich wünsche mir, dass wir Freunde sein können, obwohl das so unmöglich scheint. Aber versprochen ist versprochen. "Wir können ja Freunde sein" leeres Versprechen von einem typischen Mädchen. Er hat damals gesagt "nein können wir nicht" und ich hab geweint. Jetzt verstehe ich es und er glaubt es nicht.

Auch zu Sebastian habe ich gesagt "wir können Freunde sein" doch wir sind keine Freunde. Gestern konnte ich ihn nicht einmal ansehen. Wir können keine Freunde sein, weil ich mich schäme. Ich schäme mich deshalb, weil ich ihn auf einmal nicht mehr gerne hab und er alles für mich getan hätte.

Mr.Bob...der einzige mit dem ich befreundet sein konnte danach. Wir haben uns das erkämpft obwohl Lion es damals nicht wollte. Jetzt hat er ne Freundin und ich bin ihm ziemlich egal. Also doch keine Freundschaft.

Mr. Pro. Jemand der mich liebt und jemand den ich liebe. Er ist eine Mischung aus allem was ich liebe. Nur arrogant kann er sein. Etwas, was ich nur von mir selbst manchmal kannte. Ich hab es mir abgewöhnt. Es ist schwierig mit ihm über Religion zu reden. Gestern hat er nicht mehr auf das letzte geantwortet obwohl es mir wichtig war. Mir sind oft Kleinigkeiten so wichtig und dann bin ich wegen Kleinigkeiten traurig. Das ist einfach dumm.

Mr. Pro ist nicht schnell über Dinge hinweg. Er hat geträumt und als er aufwachte, wachte er in einem Alptraum auf.
Seit dem träumt er nicht mehr. Daran muss ich oft denken und es macht mich traurig. Es ist komisch jemanden zu lieben, der vor lauter Schmerz nicht mehr träumt. Aber solchen Dingen muss man Zeit lassen. Ich würde gerne träumen und ich möchte, dass er irgendwann wieder träumen kann. Es ist schwer zu träumen, wenn man keinen Sinn mehr in Träumen sieht. Aber wenn niemand von uns träumen würde, würden auch keine Träume wahr werden.

Ich hoffe, dass heute alles gut wird. Ich habe Angst.

liebe Grüße
eure kleine Nives